Dreissig Sekunden, die man lernen kann.

Guter Kaffee ist kein Talent, sondern eine Abfolge kleiner, richtiger Entscheidungen — frisches Wasser, die vorgewärmte Tasse, der richtige Moment zum Stoppen. Hier sind sie alle, Methode für Methode: mit Mengen, Zeiten und Temperaturen, mit dem, was schiefgehen kann, und mit dem, was Sie dann tun.

Kapitel 0 · Fünf Dinge vor jeder Methode

Die Grundlagen, die jede Tasse besser machen

Bevor es um Methoden geht, um fünf Entscheidungen, die für alle gelten — und die zusammen mehr ausmachen als jede Maschine.

1. Frischer Kaffee, frisch gemahlen. Röstkaffee ist am besten zwischen einer und sechs Wochen nach der Röstung; gemahlener Kaffee verliert innert Stunden einen Grossteil seines Aromas. Wer ganze Bohnen kauft, sollte sie erst unmittelbar vor der Zubereitung mahlen — und wer gemahlen kauft, in kleinen Packungen oder einzeln verpackten Portionen. Lagern Sie Kaffee luftdicht, dunkel und kühl, nicht im Kühlschrank.

2. Gutes Wasser. Ihre Tasse besteht zu 90 bis 98 Prozent daraus. Ideal ist frisches, kaltes Leitungswasser mit mittlerer Härte; sehr hartes Wasser (Kalk) gehört gefiltert — ein Tischfilter mit Karbonathärte-Reduktion genügt —, sehr weiches oder destilliertes Wasser extrahiert flach. Wasser aus dem Boiler, das seit gestern steht, ist keine gute Idee: immer frisch auffüllen.

3. Eine Waage. Löffel und Augenmass verzeihen viel, aber nicht genug. Eine Küchenwaage mit Gramm-Anzeige macht aus «ungefähr» ein Rezept, das Sie wiederholen können — und macht sichtbar, was Sie ändern, wenn etwas nicht schmeckt.

4. Die richtige Temperatur. 90 bis 96 Grad für fast alles; nie kochend. Ohne Thermometer: Wasser aufkochen und 30 bis 45 Sekunden warten. Und die Tasse vorwärmen — eine kalte Tasse kostet einem Espresso zehn Grad und die halbe Crema.

5. Eine Variable auf einmal. Wenn etwas nicht stimmt, ändern Sie eine Sache — Mahlgrad, Menge, Zeit, Temperatur — und probieren Sie wieder. Wer drei Dinge gleichzeitig ändert, lernt nichts.

Bei Amici: Zwei Wege zu derselben Tasse: Wer die Variablen liebt, findet sie am Siebträger, an der V60 und der Chemex. Wer sie nicht will, bekommt beim Reniala System jeden Parameter ab Werk eingestellt. Beides ist Kaffeekultur; es kommt nur darauf an, wie viel Sonntag Ihr Morgen hat.

Kapitel 1 · Espresso

Espresso im Reniala System (R1)

Das System ist gebaut, damit diese Anleitung kurz sein darf: Dosis, Verdichtung, Druck und Temperatur sind auf das Zehn-Gramm-Pad abgestimmt und ändern sich nicht. Was bleibt, ist der Umgang — und ein paar Gewohnheiten, die den Unterschied zwischen gut und sehr gut machen.

Sie brauchen: Eine R1 (oder eine andere Maschine des Reniala Systems), ein Reniala-Pad, frisches Wasser, eine vorgewärmte Tasse.

Parameter Wert
Pad Reniala, 10 g
Bezugsmenge ca. 25–30 ml (Espresso)
Bezugszeit ca. 25–30 Sekunden
Wasser frisch, mittelhart, gefiltert bei hartem Leitungswasser

Schritt für Schritt

  1. Tank mit frischem Wasser füllen. Maschine einschalten und aufheizen lassen — bei der R1 sind das wenige Minuten; die Bereitschaftsanzeige sagt, wann.
  2. Leerbezug: Ohne Pad einen kurzen Bezug in die Tasse laufen lassen. Das spült die Brühgruppe, bringt sie auf Temperatur — und wärmt gleichzeitig die Tasse. Wasser wegschütten.
  3. Pad in den Halter legen, flach, mit der Lasche innen. Halter einsetzen und schliessen.
  4. Tasse unterstellen, Bezug starten. Der Espresso soll nach zwei bis vier Sekunden zu fliessen beginnen — erst tröpfelnd, dunkel, dann als dünner, gleichmässiger Strahl, der zum Ende hin heller wird.
  5. Stoppen, wenn der Strahl hell und wässrig wird — bei der R1 übernimmt das die Automatik. Sofort trinken: Ein Espresso ist ein Getränk mit Verfallsdatum von etwa einer Minute.
  6. Pad entnehmen, Halter kurz abspülen. Das gebrauchte Pad ist Filterpapier und Kaffee.

Wenn es nicht schmeckt

  • Wässrig, hell, schnell durchgelaufen: Pad nicht richtig im Halter, Halter nicht geschlossen — oder ein E.S.E.-Pad (44 mm) statt eines Reniala-Pads. Prüfen.
  • Kaum Fluss, Tropfen, bitter: Maschine verkalkt oder Brühgruppe verschmutzt. Entkalken, spülen.
  • Wenig Crema: Kaffee zu alt, Tasse kalt, Maschine nicht auf Temperatur. Frisches Pad, Leerbezug, Geduld.
  • Lauwarm: Leerbezug vergessen. Die Tasse ist der häufigste Wärmedieb.

Bei Amici: Reniala-Pads passen nicht in E.S.E.-Maschinen und E.S.E.-Pads nicht in die R1 — das ist Absicht, nicht Zufall: Nur so können wir für jede Tasse geradestehen. Und eine R1, die mit Reniala-Pads läuft, setzen unsere Techniker instand — ohne Ablaufdatum.

Espresso mit E.S.E.-Pads

Das 44-Millimeter-Pad mit sieben Gramm ist der offene Standard: Es passt in jede E.S.E.-Maschine — von der LT1 über die La Piccola bis zum Padadapter im Siebträger — und macht die Zubereitung von der Mahlung und vom Tampen unabhängig. Was bleibt, ist die Maschine.

Sie brauchen: Eine E.S.E.-Maschine oder einen Siebträger mit E.S.E.-Sieb, ein E.S.E.-Pad, frisches Wasser, vorgewärmte Tasse.

Parameter Wert
Pad E.S.E., 44 mm, 7 g
Bezugsmenge 25–30 ml Espresso · 15–20 ml Ristretto · 50–60 ml Lungo
Bezugszeit 25–30 Sekunden (Espresso)
Temperatur 90–94 °C, maschinenseitig

Schritt für Schritt

  1. Maschine aufheizen, Leerbezug zum Spülen und Tassenwärmen.
  2. Pad zentriert ins Sieb legen; die Papierlasche nach innen falten oder flach an den Rand legen — sie darf nicht zwischen Sieb und Dichtung geraten, sonst tropft es.
  3. Sieb einspannen; bei Siebträgern etwas fester als mit losem Kaffee, weil das Papier komprimiert werden muss.
  4. Bezug starten, nach 25 bis 30 Sekunden bei 25 bis 30 Millilitern stoppen (bei Maschinen mit Automatik ist die Menge programmiert).
  5. Pad entnehmen, Sieb abspülen.

Wenn es nicht schmeckt

  • Läuft in 15 Sekunden durch, dünn, sauer: Pad zu locker im Sieb, Papierlasche als Kanal. Bei Siebträgern: Pad-Sieb statt Normalsieb verwenden.
  • Läuft nicht oder tropft, bitter: Verkalkung oder verstopftes Duschsieb. Entkalken; bei Padmaschinen die Brühkammer spülen.
  • Schmeckt papierig: Leerbezug vergessen oder Pads falsch gelagert (offen, feucht). Pads einzeln verpackt kühl und trocken halten.
  • Unterschiedliche Ergebnisse bei gleichem Pad: Temperatur. Zwischen zwei Bezügen 30 Sekunden warten, damit der Boiler nachheizt.

Bei Amici: Unseren Blend gibt es als E.S.E.-Portion in vier Charakteren — Espresso, Ristretto, Café Crème, Koffeinfrei — jede einzeln verpackt, damit sie erst Luft bekommt, wenn sie gebraucht wird.

Espresso am Siebträger — das Einstellen (Dialing-in)

Der Siebträger ist die Methode mit dem grössten Potenzial und den meisten Variablen. Die gute Nachricht: Es sind nur vier, und drei davon setzt man einmal und lässt sie. Was jeden Tag neu justiert wird, ist der Mahlgrad.

Sie brauchen: Siebträgermaschine, eine ebenbürtige Mühle (stufenlos verstellbar), Tamper, Waage mit 0,1-Gramm-Anzeige, Timer, frische Bohnen (7 bis 21 Tage nach Röstung).

Parameter Ausgangswert (Doppio)
Dosis 18 g im Doppelsieb (16–20 g je nach Sieb)
Bezugsmenge 36 g in der Tasse (Ratio 1:2)
Bezugszeit 25–30 Sekunden ab Pumpenstart
Temperatur 92–94 °C
Druck 9 bar
Mahlgrad fein, «wie feines Salz» — Ausgangspunkt, wird justiert

Schritt für Schritt

  1. Maschine mindestens 20 Minuten aufheizen (Zweikreiser/Dualboiler 30). Siebträger eingespannt lassen, damit er warm wird.
  2. Dosis abwiegen: Sieb auf die Waage, tarieren, 18 Gramm mahlen. Immer dieselbe Dosis — sie ist die Konstante.
  3. Verteilen: Klumpen lösen, Oberfläche ebnen — mit einer Rührnadel (WDT) oder durch leichtes Klopfen und Abstreichen. Keine Berge, keine Löcher.
  4. Tampen: gerade, mit gleichmässigem Druck, bis der Kaffee nicht mehr nachgibt — die Ebenheit ist wichtiger als die Kraft. Rand abwischen.
  5. Brühgruppe kurz spülen (Flush), Siebträger einspannen, Waage mit Tasse unter den Auslauf, tarieren, Timer und Bezug gleichzeitig starten.
  6. Beobachten: Nach 5 bis 8 Sekunden erste dunkle Tropfen, dann ein dünner, gleichmässiger Strahl, «Mäuseschwanz». Bei 36 Gramm in der Tasse stoppen und die Zeit ablesen.
  7. Justieren: Dauerte es unter 22 Sekunden — feiner mahlen. Über 35 — gröber. Ein Klick der Mühle pro Versuch. Dosis und Ratio bleiben, bis die Zeit stimmt. Dann erst schmecken und feinjustieren.

Wenn es nicht schmeckt

  • Sauer, dünn, kurzer Abgang, helle Crema: unterextrahiert — feiner mahlen, längerer Bezug, eventuell ein Grad heisser.
  • Bitter, trocken, adstringierend, dunkle dünne Crema: überextrahiert — gröber mahlen, kürzer, eventuell kühler.
  • Sauer UND bitter zugleich, fleckige Crema, spritzt: Channeling — besser verteilen, gerade tampen, Dosis prüfen, Sieb nicht überfüllen.
  • Jeden Tag anders bei gleichen Werten: Der Kaffee altert und entgast — ältere Bohnen wollen feiner. Und: Ist die Mühle sauber?
  • Zu viel Crema, grosse Blasen, unruhiger Bezug: Kaffee zu frisch (unter fünf Tagen). Warten.

Bei Amici: Tamper, Griffe und Basen, die Ausklopfschale, Milchkrüge — alles fürs Handwerk finden Sie unter Zubehör → Tamper & Barista. Und wenn Ihr Siebträger Druck verliert oder tropft: meist die Dichtung. Unsere Werkstatt hilft.

Ristretto, Lungo, Doppio, Café Crème

Vier Getränke aus derselben Maschine, unterschieden nur durch Menge und Zeit.

Getränk Kaffee In der Tasse Zeit Charakter
Ristretto 7 g (Single) / 18 g (Doppel) 15–20 ml / 25–30 ml 15–20 s süss, dicht, wenig Bitterkeit, weniger Koffein
Espresso 7 g / 18 g 25–30 ml / 36 ml 25–30 s die Referenz: Balance von Säure, Süsse, Körper
Lungo 7 g / 18 g 50–60 ml / 80 ml 40–50 s leichter, mehr Bitterstoffe, mehr Koffein
Café Crème 7–8 g ca. 110–130 ml 40–60 s die Schweizer Tasse: mild, lang, feine Crema
Americano Espresso + heisses Wasser 120–150 ml — Espresso-Aromatik, Filterstärke — kein Lungo

Der Ristretto ist der Espresso in seinem süssesten Moment, weil die Extraktion aufhört, bevor die Bitterstoffe kommen — darum bevorzugen ihn viele Baristas für Milchgetränke. Der Lungo ist das Gegenteil: Er zieht die Extraktion bis in die Bitterkeit hinein. Wer einen «langen Kaffee» will, ohne diese Bitterkeit, macht einen Americano — Espresso wie gewohnt, dann heisses Wasser dazu. Und der Café Crème ist ein eigenes Kapitel: nicht Espresso plus Wasser, sondern ein eigener, gröberer, längerer Bezug — in der Schweiz mit einer eigenen Mahlung und einem eigenen Sieb gemacht.

Bei Amici: Café Crème gibt es von uns als eigene E.S.E.-Portion — mit einer Mahlung und Dosis, die für die lange Tasse gemacht ist, statt einen Espresso zu verlängern.

Kapitel 2 · Die Moka

Die Moka — Bialettis Kanne richtig gemacht

Die Moka macht keinen Espresso, sondern einen eigenen Kaffee: mit etwa 1,5 bar Dampfdruck, stark, dicht, bitter-süss, ehrlich — den Kaffee, mit dem halb Italien aufwacht. Fast alles, was an Moka-Kaffee bitter und verbrannt schmeckt, kommt von zu viel Hitze und zu langer Zeit auf dem Herd. Beides lässt sich vermeiden.

Sie brauchen: Eine Moka (Bialetti Express für Gas/Elektro, Venus oder eine Induktions-Pulcina für Induktion), mittelfein bis fein gemahlenen Kaffee (gröber als Espresso, feiner als Filter), heisses Wasser, ein Küchentuch.

Parameter Wert
Kaffee den Trichter locker voll — nicht pressen (ca. 15–18 g bei der 3-Tassen-Kanne)
Wasser bis knapp unter das Sicherheitsventil, VORGEWÄRMT
Mahlgrad mittelfein — feiner als Filter, gröber als Espresso
Hitze mittel bis niedrig
Dauer 3–5 Minuten bis zum ersten Fluss

Schritt für Schritt

  1. Wasser im Wasserkocher aufkochen und bis knapp unters Ventil in den Kessel füllen. Vorgewärmtes Wasser ist der wichtigste Trick: Der Kaffee sitzt dann nicht minutenlang auf heissem Metall, bevor der Druck kommt — das verhindert den metallischen, gekochten Geschmack.
  2. Trichter einsetzen, Kaffee einfüllen: locker, bis zum Rand, mit dem Finger oder Messerrücken glattstreichen. Nicht pressen — die Moka hat nicht den Druck, um durch ein getamptes Bett zu kommen.
  3. Kannenrand abwischen (Kaffeemehl auf dem Gewinde macht die Kanne undicht), Oberteil aufschrauben — mit dem Küchentuch, der Kessel ist heiss.
  4. Auf mittlere Hitze stellen, Deckel offen. Nach zwei bis vier Minuten beginnt der Kaffee zu fliessen: zuerst dunkel und langsam, dann honigfarben, gleichmässig.
  5. Sobald der Strahl hell wird und die Kanne zu gurgeln und fauchen beginnt, vom Herd nehmen — das ist der Moment. Was danach kommt, ist Dampf und Bitterkeit. Manche halten den Kesselboden kurz unter kaltes Wasser, um die Extraktion sofort zu stoppen.
  6. Kurz umrühren (der erste Kaffee ist stärker als der letzte), in vorgewärmte Tassen giessen.
  7. Abkühlen lassen, mit warmem Wasser ausspülen, ohne Spülmittel, offen trocknen lassen. Die dünne Patina aus Kaffeeölen schützt das Aluminium und den Geschmack.

Wenn es nicht schmeckt

  • Bitter, verbrannt, metallisch: zu heiss, zu lange, kaltes Wasser zum Start. Niedrigere Hitze, vorgewärmtes Wasser, früher vom Herd.
  • Dünn, sauer, wässrig: zu grob gemahlen oder zu wenig Kaffee. Feiner, Trichter voll.
  • Spritzt, kommt stossweise: zu fein gemahlen oder gepresst — der Druck staut sich. Gröber, nicht pressen.
  • Läuft aus dem Gewinde: Dichtung alt oder Kaffeemehl auf dem Rand. Rand abwischen; Dichtung alle ein bis zwei Jahre ersetzen.
  • Schmeckt nach alter Kanne: Sie war lange nicht in Gebrauch oder wurde mit Spülmittel gewaschen. Zwei, drei Kannen «leer» brühen und wegschütten.

Bei Amici: Die Alessi Pulcina von Michele De Lucchi löst zwei dieser Probleme durch Form: Die Innengeometrie des Kessels stoppt die Extraktion, bevor der bittere Rest kommt, und der Schnabel giesst tropffrei. Zu jeder Pulcina schenken wir einen Kaffee Ihrer Wahl — unser gemahlener Blend Medio oder Scuro ist für die Moka gemacht.

Kapitel 3 · Filterkaffee

Hario V60

Die V60 ist das Instrument mit der grössten Kontrolle — und darum das, an dem man Filterkaffee am besten lernt. Alles, was Sie tun, ist in der Tasse zu schmecken: die Giessgeschwindigkeit, die Zahl der Aufgüsse, der Mahlgrad. Das folgende Rezept ist ein bewährter Ausgangspunkt; von hier aus entwickelt jeder sein eigenes.

Sie brauchen: V60 (Grösse 02 für zwei bis vier Tassen), passende Papierfilter, Waage, Wasserkocher (idealerweise mit Schwanenhals), Timer, mittelfein gemahlener Kaffee.

Parameter Wert
Kaffee 15 g (für eine grosse Tasse) · 30 g (für zwei)
Wasser 250 g · 500 g (Ratio 1:16–1:17)
Temperatur 92–96 °C — heller geröstete Kaffees heisser
Mahlgrad mittelfein, «wie Kristallzucker»
Gesamtzeit 2:30–3:15 Minuten inklusive Ablaufen

Schritt für Schritt (für 15 g / 250 g)

  1. Filter in die V60 setzen und mit reichlich heissem Wasser spülen — das entfernt den Papiergeschmack und wärmt Dripper und Kanne. Wasser wegschütten.
  2. Kaffee einfüllen, Oberfläche ebnen, alles auf die Waage stellen und tarieren. Timer starten mit dem ersten Wasser.
  3. Bloom (0:00–0:40): 40 bis 50 Gramm Wasser (etwa das Dreifache der Kaffeemenge) in Kreisen aufgiessen, sodass alles Kaffeemehl benetzt ist. Das Bett bläht sich und blubbert — CO₂ entweicht. 30 bis 40 Sekunden warten.
  4. Erster Aufguss (0:40–1:15): langsam, in Kreisen von innen nach aussen, ohne den Filterrand zu treffen, bis 150 Gramm. Der Wasserspiegel soll etwa zwei Zentimeter über dem Bett stehen, nicht mehr.
  5. Zweiter Aufguss (1:15–1:45): bis 250 Gramm, gleiche Bewegung. Am Ende einmal sanft rund um den Rand giessen, damit Kaffeemehl, das an der Wand klebt, zurück ins Bett gespült wird.
  6. Ablaufen lassen. Das Bett soll am Ende flach sein — nicht trichterförmig, nicht mit hohem Rand. Bei 2:30 bis 3:15 ist es durch.
  7. Kanne schwenken, in vorgewärmte Tassen giessen. Der Kaffee ist heiss zunächst dünn und wird beim Abkühlen süsser — eine Minute warten lohnt sich.

Wenn es nicht schmeckt

  • Sauer, dünn, zu schnell durch (unter 2:15): gröber gemahlen — feiner mahlen. Oder heisseres Wasser.
  • Bitter, trocken, zu langsam (über 3:30): zu fein — gröber mahlen. Oder weniger Aufgüsse, weniger Rühren.
  • Schmeckt gleichzeitig hohl und bitter: Kanäle im Bett — gleichmässiger giessen, Bloom nicht überspringen, nicht direkt auf eine Stelle giessen.
  • Bett am Ende schief oder mit Rand: zu viel Zentrum, zu wenig Rand — Giesskreise gleichmässiger, Rand-Spülung am Ende.
  • Flach, papierig: Filter nicht gespült, oder Wasser zu weich.

Variante — die 4:6-Methode (Tetsu Kasuya, Weltmeister 2016): 20 g Kaffee, 300 g Wasser in fünf gleichen Aufgüssen à 60 g alle 45 Sekunden. Die ersten beiden (40 Prozent) bestimmen Süsse und Säure — grösserer erster Aufguss = mehr Süsse —, die letzten drei (60 Prozent) die Stärke. Mahlgrad gröber als üblich. Ein Rezept, das Filterkaffee wie ein Regler behandelt.

Bei Amici: Für die V60 empfehlen wir unsere Herkunftskaffees als ganze Bohne, mittelfein gemahlen — der Handfilter ist das Instrument, das Terroirs am deutlichsten auseinanderhält. Die V60 selbst finden Sie unter Kaffeemaschinen → V60.

Chemex

Dieselbe Physik wie die V60, aber mit dickeren Filtern und grösserem Volumen — und darum ein anderer Charakter: die klarste, teeartigste, präziseste Tasse, die Filterkaffee hergibt. Die Chemex ist für zwei bis vier Personen gedacht; unter 30 Gramm Kaffee wird sie fahrig.

Sie brauchen: Chemex (6 oder 8 Tassen), Chemex-Filter (gefaltet, die dreilagige Seite zum Ausguss), Waage, Schwanenhals-Kocher, Timer, mittelgrob gemahlener Kaffee.

Parameter Wert
Kaffee 30 g (für zwei grosse Tassen) · 45 g (für drei)
Wasser 500 g · 750 g (Ratio 1:16–1:17)
Temperatur 94–96 °C
Mahlgrad mittelgrob — gröber als V60, «wie grober Sand»
Gesamtzeit 4:00–5:00 Minuten

Schritt für Schritt (für 30 g / 500 g)

  1. Filter entfalten, so dass drei Lagen auf der Seite des Ausgusses liegen — das stabilisiert den Filter und hält den Luftkanal am Ausguss frei. Gründlich spülen (mindestens 200 ml heisses Wasser, die dicken Filter schmecken sonst nach Papier). Wasser durch den Ausguss abgiessen, Filter dabei nicht verrutschen.
  2. Kaffee einfüllen, ebnen, Waage tarieren, Timer starten.
  3. Bloom (0:00–0:45): 60 bis 90 Gramm Wasser in Kreisen, 45 Sekunden warten — Chemex-Blooms dürfen länger sein.
  4. Aufgüsse: in drei Portionen à etwa 140 Gramm, jeweils wenn der Wasserspiegel gerade unter den Bettrand sinkt — bei 0:45, 1:45, 2:45. Kreise von innen nach aussen, den Rand nur zum Schluss spülen.
  5. Ablaufen lassen; bei 4:00 bis 5:00 ist der letzte Tropfen durch. Filter mit dem Kaffeesatz herausheben und wegwerfen.
  6. Kanne schwenken, servieren. Die Chemex hält den Kaffee durch das dicke Glas eine Weile warm — aber nie auf die Herdplatte.

Wenn es nicht schmeckt

  • Dünn, sauer: zu grob oder zu wenige Aufgüsse — feiner mahlen, oder in vier Portionen giessen.
  • Bitter, herb: zu fein oder zu heiss — gröber, oder 92 Grad.
  • Sehr langsam, stockend (über 6 Minuten): Filter am Ausguss angesaugt (Luftkanal blockiert) — beim Einlegen auf die dreilagige Seite achten; oder Mahlung zu fein.
  • Papier im Geschmack: nicht genug gespült — die Chemex-Filter brauchen deutlich mehr als üblich.

Bei Amici: Der Espresso aus der R1 und die Chemex-Tasse aus derselben Bohne sind zwei Übersetzungen desselben Terroirs — einmal dicht und emulgiert, einmal klar und leicht. Wer beides nebeneinander trinkt, versteht Kaffee besser als aus jedem Buch.

French Press

Die verzeihendste Methode: kein Filterpapier, kein Giessen, keine Technik — nur Zeit. Dafür die vollste Tasse, mit allen Ölen und einem Rest Schwebstoffe. Das folgende Rezept nimmt der Press Press ihre zwei Schwächen: den Bodensatz und die Bitterkeit durch zu langes Ziehen.

Sie brauchen: French Press, Waage, Wasserkocher, Timer, Löffel, grob gemahlener Kaffee.

Parameter Wert
Kaffee 30 g (für zwei Tassen)
Wasser 500 g (Ratio 1:16–1:17)
Temperatur 93–96 °C
Mahlgrad grob, «wie grobes Meersalz»
Ziehzeit 4 Minuten + Warten

Schritt für Schritt

  1. Kanne mit heissem Wasser vorwärmen, ausleeren.
  2. Kaffee einfüllen, Waage tarieren, Wasser zügig bis 500 Gramm aufgiessen, sodass alles Kaffeemehl benetzt ist. Timer starten. Nicht umrühren, Stempel noch nicht aufsetzen.
  3. Bei 4:00 hat sich oben eine Kruste aus Kaffeemehl gebildet. Mit dem Löffel dreimal sanft umrühren — die Kruste bricht, der Grossteil des Mehls sinkt.
  4. Den verbleibenden Schaum und die schwimmenden Partikel mit zwei Löffeln abschöpfen und wegwerfen. Das ist der Schritt, der die Tasse sauber macht.
  5. Warten: weitere 4 bis 6 Minuten, bis sich die feinen Partikel gesetzt haben. Erst dann den Stempel aufsetzen und nur bis knapp über den Bodensatz drücken — nicht ganz hinunter. Das Sieb hält nur zurück, was oben schwimmt; alles, was man aufwirbelt, landet in der Tasse.
  6. Vorsichtig ausgiessen, den letzten Zentimeter in der Kanne lassen. Der Kaffee schmeckt warm — bei 60 bis 65 Grad — am besten.

Wenn es nicht schmeckt

  • Schlammig, viel Satz: zu fein gemahlen oder zu früh gedrückt. Gröber, länger warten, nicht bis unten drücken.
  • Bitter: zu lange gezogen — die Extraktion läuft weiter, solange der Kaffee auf dem Mehl steht. Nach dem Abschöpfen ist sie fast beendet; wer trotzdem Bitterkeit schmeckt, giesst nach dem Warten alles in eine zweite, vorgewärmte Kanne um.
  • Dünn: zu grob oder zu wenig Kaffee. 1:15 versuchen.

AeroPress

2005 vom Frisbee-Erfinder Alan Adler entworfen: ein Kolben, ein Zylinder, ein Papierfilter — und der Druck der Hand. Die AeroPress macht keinen Espresso, aber einen konzentrierten, sauberen, sehr variablen Kaffee in einer Minute, verträgt Reisen und Bürokaffee und hat eine eigene Weltmeisterschaft.

Sie brauchen: AeroPress mit Filter, Waage, Wasserkocher, Timer, Rührstab, mittelfein gemahlener Kaffee.

Parameter Wert (Standard)
Kaffee 15 g
Wasser 220 g (ergibt eine grosse Tasse) — oder 100 g Konzentrat, dann verdünnen
Temperatur 85–92 °C — die AeroPress verzeiht kühleres Wasser
Mahlgrad mittelfein, etwas feiner als V60
Zeit 1:00 Ziehen + 0:30 Pressen

Schritt für Schritt (inverted, die stabilere Methode)

  1. Kolben etwa zwei Zentimeter in den Zylinder stecken, das Ganze umgedreht (Kolben unten) auf die Waage stellen. Filter in die Kappe legen und mit heissem Wasser spülen.
  2. Kaffee in den Zylinder, tarieren, Timer starten, 220 Gramm Wasser aufgiessen, zehn Sekunden rühren.
  3. Bei 1:00 Kappe mit Filter aufschrauben, Zylinder vorsichtig auf die Tasse drehen.
  4. Langsam und gleichmässig hinunterdrücken — 20 bis 30 Sekunden, bis es zischt. Nicht mit Gewalt: Widerstand bedeutet zu feine Mahlung.
  5. Kappe abschrauben, Kaffeepuck mit dem Kolben in den Kompost drücken, ausspülen. Fertig in Minuten, sauber in Sekunden.

Wenn es nicht schmeckt: Zu bitter — kühleres Wasser (85 Grad) oder kürzer. Zu dünn — feiner mahlen oder länger ziehen (bis 2:00). Zu schwer zu drücken — gröber. Die AeroPress ist die Methode zum Experimentieren: Es gibt keine falsche Einstellung, nur eine, die Ihnen nicht schmeckt.

Filterkaffeemaschine

Die Maschine kann guten Kaffee machen, wenn man sie lässt — und die meisten hindert man daran mit zu wenig Kaffee, altem Kaffee und der Warmhalteplatte.

Sie brauchen: Eine Filtermaschine, die 92 bis 96 Grad erreicht (die «SCA-zertifizierten» Modelle garantieren das; billige Maschinen bleiben oft bei 85 Grad), Papierfilter, mittelgrob gemahlener Kaffee, Waage.

Parameter Wert
Kaffee 60 g pro Liter Wasser — für eine 1-Liter-Kanne 60 g, für eine halbe 30 g
Mahlgrad mittel — «wie Zucker»
Wasser frisch, gefiltert bei hartem Leitungswasser
Warmhalten höchstens 20 Minuten — dann Thermoskanne

Schritt für Schritt

  1. Filter einsetzen, kurz mit heissem Wasser spülen (Kanne unterstellen, wegschütten).
  2. Kaffee abwiegen — die Faustregel «ein gehäufter Löffel pro Tasse» ergibt meist zu wenig — und ebnen.
  3. Frisches, kaltes Wasser in den Tank, Maschine starten.
  4. Sobald sie fertig ist, Kanne schwenken (der erste Kaffee ist stärker als der letzte) und umgehend in Tassen oder eine Thermoskanne giessen. Die Warmhalteplatte kocht den Kaffee nach; nach 30 Minuten schmeckt er gekocht, nach einer Stunde verbrannt.
  5. Maschine alle vier bis acht Wochen entkalken — ihre Brühtemperatur hängt davon ab.

Bei Amici: Der Blend Medio, gemahlen, ist für die Filtermaschine wie gemacht — komplex genug für die Kanne, ausgewogen genug für den Nachmittag.

Kapitel 4 · Kalt und kulturell

Cold Brew und Cold Drip

Kalt extrahiert ist nicht einfach kalter Kaffee: Weil kaltes Wasser Säuren und Bitterstoffe kaum löst, ist Cold Brew weich, süss, schokoladig — und, durch die lange Zeit und die hohe Kaffeemenge, mit mehr Koffein als eine Filtertasse.

Sie brauchen: Ein grosses Glas- oder Kunststoffgefäss mit Deckel, grob gemahlener Kaffee, kaltes Wasser, ein Sieb und ein Papierfilter (oder Filtertuch), Kühlschrank.

Parameter Wert
Kaffee 100 g
Wasser 800 g (Ratio 1:8 — ergibt Konzentrat)
Mahlgrad grob wie French Press
Ziehzeit 12–16 Stunden im Kühlschrank (18–24 bei Raumtemperatur — dann schneller trinken)
Servieren Konzentrat 1:1 mit Wasser oder Milch verdünnen, auf Eis

Schritt für Schritt

  1. Kaffee ins Gefäss, Wasser dazu, kurz rühren, damit alles benetzt ist. Deckel drauf, Kühlschrank.
  2. Nach 12 bis 16 Stunden durch ein grobes Sieb in ein zweites Gefäss giessen, dann noch einmal durch einen Papierfilter — das dauert, aber es macht das Konzentrat klar.
  3. Im Kühlschrank hält das Konzentrat eine Woche; es wird jeden Tag ein wenig runder.
  4. Servieren: ein Teil Konzentrat, ein Teil Wasser (oder Milch, oder Tonic), viel Eis, ein Streifen Zitronen- oder Orangenschale nach Belieben.

Cold Drip ist die aufwendige Schwester: Eiswasser tropft über Stunden — ein Tropfen pro Sekunde — durch ein Kaffeebett in gläsernen Türmen. Aromatisch feiner und klarer als Cold Brew, mit floralen Noten, die im Standbad verloren gehen. Wer keinen Turm hat, bekommt eine Annäherung mit der «Japanese Iced Coffee»-Methode: einen normalen Handfilter mit der Hälfte des Wassers heiss brühen — direkt auf die andere Hälfte, als Eiswürfel, in der Kanne. Heisse Extraktion, sofortiges Abschrecken: das Beste aus beiden Welten.

Cezve — Kaffee auf Türkisch

Die älteste Zubereitung, die es gibt, und die einzige, bei der Kaffee gekocht wird — beinahe. Der Kaffeesatz bleibt in der Tasse; der Schaum ist das Qualitätszeichen.

Sie brauchen: Eine Cezve (Ibrik) aus Kupfer oder Messing, staubfein gemahlenen Kaffee (feiner als Espresso — ein normales Mahlwerk schafft das oft nicht; türkische Mühlen oder fertig gemahlener türkischer Kaffee), kaltes Wasser, Zucker nach Wunsch, kleine Tassen.

Parameter Wert pro Tasse
Kaffee 7 g (ein gehäufter Teelöffel)
Wasser 70 ml — eine türkische Tasse, kalt eingefüllt
Zucker sade (ohne), az şekerli (wenig), orta (mittel, 1 TL), şekerli (süss, 2 TL) — vorher, nie nachher
Hitze niedrig — Geduld ist die Methode

Schritt für Schritt

  1. Kaltes Wasser, Kaffee und Zucker in die Cezve, gut umrühren, bis kein Pulver mehr schwimmt.
  2. Auf niedrige Hitze stellen. Nicht mehr rühren.
  3. Nach zwei bis drei Minuten bildet sich ein dunkler, feinporiger Schaum, der langsam steigt. Kurz bevor er den Rand erreicht — auf keinen Fall kochen lassen —, die Cezve vom Feuer nehmen und den Schaum mit einem Löffel auf die Tassen verteilen.
  4. Zurück aufs Feuer, den Kaffee ein zweites (traditionell drittes) Mal aufsteigen lassen, dann vorsichtig über den Schaum in die Tassen giessen.
  5. Eine Minute warten, bis sich der Satz setzt. Trinken, bis zum Grund, aber nicht den Grund. Traditionell mit einem Glas Wasser (vorher, um den Gaumen zu reinigen) und etwas Süssem.

Wenn es nicht schmeckt: Kein Schaum — zu heiss, zu schnell, zu grob gemahlen. Bitter — gekocht. Sandig — zu grob gemahlen. Die Cezve verlangt Feinheit und Langsamkeit; alles andere ist Kaffeesuppe.

Kapitel 5 · Milch

Milch schäumen

Perfekter Milchschaum ist nicht Schaum, sondern Textur: glänzend, ohne sichtbare Blasen, mit der Konsistenz nasser Farbe — «Mikroschaum». Er entsteht in zwei Phasen an der Dampflanze und braucht Übung, aber weniger, als Baristas behaupten. Die Physik: Dampf zieht Luft in die Milch (Ziehphase), dann wirbelt er die Luft in immer feinere Bläschen (Rollphase), während Proteine sie stabilisieren und das Fett sie cremig macht.

Sie brauchen: Eine Maschine mit Dampflanze, einen Milchkrug aus Edelstahl (Inhalt doppelt so gross wie die Milchmenge), kalte Vollmilch (3,5 Prozent), ein Thermometer, bis Sie es in der Hand spüren.

Parameter Wert
Milch kalt, aus dem Kühlschrank — kalte Milch gibt Zeit
Menge Krug zu einem Drittel bis zur Hälfte
Zieltemperatur 60–65 °C — nicht mehr; ab 70 wird sie süsslich-gekocht und der Schaum bricht
Endtextur glänzend, blasenfrei, giessbar

Schritt für Schritt

  1. Lanze kurz «abblasen» (Kondenswasser raus), abwischen.
  2. Lanze knapp unter die Milchoberfläche, leicht seitlich, sodass die Milch beim Aufdrehen zu kreisen beginnt. Dampf voll auf.
  3. Ziehen (2–5 Sekunden): Die Lanzenspitze so an der Oberfläche halten, dass es leise, papieren zischt — «tsss, tsss» — und die Milch sichtbar an Volumen gewinnt. Für Cappuccino länger, für Flat White kürzer. Lautes Schlürfen heisst: zu tief. Grosse Blasen: zu hoch.
  4. Rollen (bis 60–65 °C): Lanze tiefer, Krug schräg, so dass die Milch als Strudel kreist — der Strudel zerschlägt die Blasen zu Mikroschaum. Die Hand am Krug spürt die Temperatur: Wenn es zu heiss wird, um den Krug zu halten, ist es zu heiss.
  5. Dampf zu, Lanze raus, sofort abblasen und abwischen — angetrocknete Milch ist der Anfang vom Ende jeder Lanze.
  6. Krug auf die Arbeitsfläche klopfen (grosse Blasen platzen), schwenken (der Schaum wird glänzend), und innert 30 Sekunden giessen — Mikroschaum trennt sich schnell.

Ohne Dampflanze: Ein elektrischer Milchschäumer mit Induktion (wie die MS-Serie) erwärmt und schäumt auf Knopfdruck — die Textur ist gröber als Mikroschaum, aber stabil, und für Cappuccino und Latte zuhause die realistische Lösung. Alternativ: Milch auf 60 Grad erhitzen, in die French Press, Stempel 30 Sekunden schnell auf und ab. Erstaunlich gut.

Pflanzliche Milch: Hafermilch in «Barista»-Version schäumt fast wie Kuhmilch (mehr Fett, stabilisiert), Soja gut, Mandel schwach und schnell zerfallend. Alle mögen es kühler: 55 bis 60 Grad.

Cappuccino, Latte, Flat White, Cortado

Vier Getränke, vier Verhältnisse, eine Regel: Der Espresso ist frisch, die Milch ist frisch geschäumt, und beides trifft sich innert einer Minute.

Getränk Espresso Milch Schaum Tasse Temperatur
Cappuccino 1 (25–30 ml) ca. 60 ml ca. 60 ml, dicht 150–180 ml 60–65 °C
Caffè Latte 1–2 200–250 ml dünne Schicht 300 ml Glas 60–65 °C
Flat White 2 (Doppio) ca. 120 ml wenig, sehr fein 160–180 ml 55–60 °C
Cortado 1 ca. 30 ml, gleich viel kaum 90–120 ml Glas 55–60 °C
Macchiato 1 — ein Löffel Espressotasse —

Giessen: Die Tasse leicht kippen, den Krug hoch beginnen (der Milchstrom taucht unter die Crema, die Tasse färbt sich braun), und wenn die Tasse zu drei Vierteln voll ist, den Krug nah an die Oberfläche senken und den Strom verstärken — jetzt liegt der weisse Schaum auf und zeichnet. Ein Herz entsteht, wenn man am Ende den Krug hebt und mit einem dünnen Strahl durch den weissen Fleck zieht. Latte Art ist Übung; guter Schaum ist die Voraussetzung, nicht die Belohnung.

Bei Amici: Für die Milch empfehlen wir den Blend Scuro als Espresso — die dunkle Röstung setzt sich gegen 150 Milliliter Milch durch, wo eine helle verschwindet. Die MOU-Tassen mit ihrem dicken Porzellan halten den Cappuccino länger auf Temperatur als dünne Tassen.

Kapitel 6 · Sommer und Experimente

Shakerato, Espresso Tonic, Affogato

Drei Klassiker für den Nachmittag, die alle mit einem frischen Espresso beginnen.

Caffè Shakerato (Italien): Ein doppelter Espresso, ein Teelöffel Zucker (oder Zuckersirup), fünf bis sechs Eiswürfel im Cocktailshaker — 15 Sekunden kräftig schütteln, bis der Shaker beschlägt, durch das Sieb in ein gekühltes Martiniglas abseihen. Der Schaum obenauf ist die Crema, neu geboren. Ohne Zucker funktioniert er nicht: Der Zucker bindet den Schaum.

Espresso Tonic (Skandinavien, seit den 2000ern): Ein Glas mit Eis, 150 Milliliter Tonic Water, einen Espresso langsam darüber giessen — er bleibt zunächst oben als dunkle Schicht. Bitter auf bitter, mit der Süsse und Kohlensäure des Tonics dazwischen; besser mit einem hell gerösteten, fruchtigen Kaffee als mit einem dunklen. Eine Scheibe Zitrone oder ein Zweig Rosmarin.

Affogato al caffè (Italien): Eine Kugel Vanilleglacé (Fior di latte oder Vanille — nichts Kompliziertes) in einer kleinen Schale, einen heissen Espresso darüber — «ertränkt». Sofort essen, während das Glacé schmilzt und der Espresso erstarrt. Das einfachste Dessert der Welt, und eines der besten.

Espresso-Tonic und Cold-Brew-Varianten für den Eistee-Sommer

Wer ohnehin Eistee zieht, kann Cold-Brew-Konzentrat daneben ansetzen: Ein Teil Konzentrat auf zwei Teile Eistee (Pêche oder Happy Green) ergibt einen «Coffee Iced Tea», der weniger seltsam schmeckt, als er klingt — die Frucht des Tees trägt die Schokolade des Kaffees. Und Cold Brew mit Tonic, Orange und Eis ist der Sommer-Aperitif ohne Alkohol.

Kapitel 7 · Pflege in einer Minute pro Tag

Das kleine Reinigungsprotokoll

Die meisten Maschinen sterben nicht an Verschleiss, sondern an Kalk und Milch. Was es braucht, ist wenig — regelmässig.

Täglich: Dampflanze nach jedem Gebrauch abblasen und abwischen. Abtropfschale leeren. Siebträger oder Padhalter ausspülen. Bei Vollautomaten Milchsystem spülen, Tresterbehälter leeren, Brüheinheit trocknen lassen.

Wöchentlich: Siebträger: Rückspülen mit Blindsieb und Reinigungspulver, Sieb und Träger in Reinigungslösung baden. Padmaschinen: Brühkammer und Halter spülen, Dichtung abwischen. Mühle: Bohnenbehälter leeren, Mahlwerk mit Reinigungsgranulat durchlaufen lassen. Moka: Dichtung prüfen.

Monatlich bis vierteljährlich: Entkalken — bei hartem Wasser alle vier bis sechs Wochen, bei weichem alle drei Monate, mit Zitronensäure- oder Milchsäure-Entkalker (nicht Essig — er greift Dichtungen an). Wasserfilter wechseln. Duschsieb reinigen.

Jährlich: Dichtungen tauschen, bevor sie hart werden. Mühle: Mahlscheiben prüfen.

Bei Amici: Dichtungen, Entkalker und Bürsten finden Sie unter Kaffeemaschinen → Wartung. Alles, was darüber hinausgeht — Service, Instandsetzung, die Sorge, dass etwas nicht stimmt — übernimmt unsere Werkstatt in Steinhausen: 041 854 41 41.

Stand September 2026. Parameter nach Specialty Coffee Association (Brew Ratio, Wasser, Golden Cup), Herstellerangaben (Bialetti, Hario, Chemex, AeroPress) und eigener Praxis in Rösterei und Galleria.

Alles für die perfekte Tasse

Vom passenden Kaffee über Maschinen bis zum Barista-Zubehör – bei uns finden Sie alles, was Sie für Ihre Lieblingsmethode brauchen.

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